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60528 Frankfurt-Niederrad, Kelsterbacher Straße 28

Das Neueste zuerst:


7.10.2020: Das Haus wur­de abge­ris­sen.
30.7.2020: Noch ein Arti­kel in der Frank­fur­ter Rund­schau: Dies­mal wird die Gesamt­si­tua­ti­on in der Kels­ter­ba­cher Stras­se in Nie­der­rad betrach­tet.
27.7.2020: Die Peti­ti­on erreicht mehr als 700 Unter­zeich­nun­gen.
15.7.2020: Es gibt viel Unter­stüt­zung aus ganz Deutsch­land und sogar aus dem Aus­land. Die Lauf­zeit der Peti­ti­on wur­de des­halb ver­län­gert.
14.7.2020: Ein wei­te­rer Arti­kel erscheint in der Frank­fur­ter Rund­schau.
11.7.2020: Die Peti­ti­on erreicht mehr als 400 Unter­zeich­nun­gen.
10.7.2020: Es erscheint ein Fern­seh­be­richt auf rhein­maintv (ab Minu­te 3:20, Län­ge zir­ka drei­ein­halb Minu­ten).
9.7.2020: Auf­nah­me des Falls bei der IRHB
1.7.2020: Die Peti­ti­on erreicht mehr als 300 Unter­zeich­nun­gen.
30.6.2020: Die Frank­fur­ter Rund­schau und die Frank­fur­ter Neue Pres­se ver­öf­fent­li­chen (iden­ti­sche) Arti­kel über den Fall.
26.6.2020: Die Peti­ti­on wur­de gestar­tet.
xx.6.2020: Wider­spruch gegen die Abriss­ge­neh­mi­gung: Der Abriss wur­de vor­erst gestoppt.
18.6.2020: geplan­ter Beginn des Abris­ses
April 2020: Die Abriss­ge­neh­mi­gung durch die Bau­auf­sicht wur­de erteilt.

Der Abriss ist erfolgt

8. Okto­ber 2020 // Das sind schlech­te Nach­rich­ten: Das his­to­ri­sche Haus in Frank­furt-Nie­der­rad wur­de mitt­ler­wei­le abge­ris­sen. Auf der Peti­ti­ons­sei­te ist dazu zu lesen:

Das Bau­amt hat den sofor­ti­gen Voll­zug des Abris­ses ange­ord­net, unab­hän­gig von der aus­ste­hen­den Anhö­rung, und zusätz­lich den Neu­bau geneh­migt, ohne auf das Ein­spruchs­recht des Nach­barn ein­zu­ge­hen.

Wir wer­den uns mit die­sem Fall wei­ter­hin beschäf­ti­gen, denn er erscheint als ein gutes Bei­spiel, wie schlecht es lau­fen kann. Viel­leicht wird der Ver­lust die­ses Gebäu­des wenigs­tens dazu füh­ren, dass wir zukünf­tig mehr Erfolg bei der Ret­tung his­to­ri­scher Bau­ten haben wer­den.


 
Historisches Gebäude in Gefahr

9. Juli 2020 // Eines der ältes­ten Häu­ser im Frank­fur­ter Stadt­teil Nie­der­rad soll abge­ris­sen wer­den. Es soll einem Neu­bau wei­chen. Eine Grup­pe von Bür­ge­rIn­nen — unter ihnen der Vor­sit­zen­de des Bezirks­ver­eins Nie­der­rad und die Pfar­re­rin der Paul-Ger­hard-Gemein­de — setzt sich für den Erhalt die­ses his­to­ri­schen Gebäu­des ein. Eine Peti­ti­on wur­de erstellt und kann online unter­zeich­net wer­den.

Dem Peti­ti­ons­text kann ent­nom­men wer­den, dass die städ­ti­sche Bau­auf­sicht Mit­te April eine Abriss­ge­neh­mi­gung erteilt hat. Laut Bau­auf­sicht hät­te das Haus eine sehr schlech­te Bau­sub­stanz, dies hät­te ein von der Eigen­tü­me­rin in Auf­trag gege­be­nes Gut­ach­ten fest­ge­stellt. Laut Aus­sa­ge der Bau­auf­sicht wür­de „eine Sanie­rung sich nicht loh­nen, denn sie wäre so teu­er wie Abriss und Neu­bau“.

Schlechte Bausubstanz

Wir ken­nen das: „Schlech­te Bau­sub­stanz“ ist eine ger­ne benutz­te Behaup­tung, um einen Abriss zu recht­fer­ti­gen. Lie­ber noch wird der Begriff „maro­de“ benutzt, um das Bild eines völ­lig ver­rot­te­ten Gebäu­des her­vor­zu­ru­fen.

Es gibt genü­gend Bei­spie­le, die zei­gen, wie wenig Wahr­heit hin­ter einer sol­chen Behaup­tung ste­cken kann. Der Hart­manns­hai­ner Brücke wur­de gut­acht­lich ein äus­serst schlech­ter Zustand attes­tiert („Stand­si­cher­heit nicht mehr in vol­lem Umfang gege­ben“) — eine Sper­rung fand aller­dings nie statt. Nach erfolg­rei­chen Pro­tes­ten wur­de die Brü­cke erhal­ten. Der Juis­ter Bahn­hof wur­de als „der­mas­sen maro­de, dass nur ein Neu­bau Sinn macht“ bezeich­net. Heu­te wird das Gebäu­de instand­ge­setzt.

Ohne kon­kre­te Bele­ge — die ver­mut­lich nur sel­ten vor­lie­gen — ist eine Aus­sa­ge wie „schlech­te Bau­sub­stanz“ wert­los. Und selbst wenn die Bau­sub­stanz zu wün­schen übrig lässt: Recht­fer­tigt das einen Abriss?

Petition bei openPetition

Die Eigentümerin

Laut Peti­ti­on ist die Eigen­tü­me­rin die Mamax GmbH. Bei North Data, einem Wirt­schafts­in­for­ma­ti­ons­dienst, wird das Geschäfts­feld des Unter­neh­mens unter ande­rem beschrie­ben als „Sanie­rung und Erhal­tung von Alt­bau­be­stän­den sowie denk­mal­ge­schütz­ten Immo­bi­li­en“.

Zu Recht bemän­gelt die Peti­ti­on, dass das Unter­neh­men sich einer­seits Alt­bau- und Denk­mal­sa­nie­rung in ihr Port­fo­lio schreibt, ande­rer­seits aber den Abriss die­ses his­to­risch wert­vol­len Gebäu­des vor­an­treibt. Ist die sym­pa­thi­sche For­mu­lie­rung des Unter­neh­mens ledig­lich ein Vor­wand, um geschäft­li­che Inter­es­sen zu ver­fol­gen?

Denkmalschutz

Der Petent beklagt, dass die Denk­mal­be­hör­de „trotz schrift­li­cher Anfra­ge kei­ne Ant­wort gege­ben [habe] auf die Fra­ge, war­um die Kels­ter­ba­cher Str. 28 aus dem Denk­mal­schutz genom­men wur­de und abge­ris­sen wer­den darf. Es fehlt eine öffent­li­che, aus­führ­li­che, belast­ba­re Begrün­dung.“ Öffent­lich­keit und Trans­pa­renz sehen tat­säch­lich anders aus. Im Jahr 2020 soll­te eine Behör­de so nicht mehr arbei­ten.

Fest­zu­hal­ten ist: Hin­sicht­lich des betrof­fe­nen Gebäu­des ist der Ein­trag im Denk­mal­netz des Lan­des­amts für Denk­mal­pfle­ge Hes­sen heu­te, am 10. Juli 2020 immer noch vor­han­den. Dort wird das Kul­tur­denk­mal als „Teil einer Gesamt­an­la­ge“ aus­ge­wie­sen. Die­ses bedeu­tet soge­nann­ten „Ensem­ble­schutz“ (mehr dazu auf Wiki­pe­dia), was einen denk­mal­recht­li­chen Schutz der äus­se­ren Erschei­nung beinhal­tet.

Der Online-Ein­trag ist natür­lich nicht rele­vant für die aktu­el­le Denk­ma­l­ei­gen­schaft eines Bau­werks. Hier belegt er ledig­lich, dass das Gebäu­de in der Kels­ter­ba­cher Stras­se 28 ein­mal als Denk­mal gelis­tet war. Da ja aber offen­sicht­lich eine Abriss­ge­neh­mi­gung vor­liegt, steht fest, dass der Denk­mal­schutz mitt­ler­wei­le auf­ge­ho­ben wor­den sein muss.

Frankfurt-Niederrad, Kelsterbacher Straße 28

Noch ist es auf­ge­führt in der Lis­te der Denk­mä­ler in Hes­sen (10.7.2020).

Schaut man sich den Ein­trag im Online-Ver­zeich­nis an, so fin­det man auch die kur­ze Beschrei­bung des Denk­mals. Liest man sie, dann wird es völ­lig unver­ständ­lich, wie­so hier­für eine Abriss­ge­neh­mi­gung erteilt wer­den konn­te. Zitat von der Web­site des Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge Hes­sen (Stand: 10. Juli 2020):

„Baro­ckes Fach­werk­haus des 17. Jh. mit Neben­ge­bäu­den des 19. und 20. Jh.“

In einer Stadt, in der mit gros­sem öffent­li­chen, ja, inter­na­tio­na­lem Getö­se his­to­ri­sche Bau­ten nach­ge­bil­det wer­den, geneh­migt eine Behör­de den Abriss eines Gebäu­des aus dem 17. Jahr­hun­dert ganz im Stil­len — ohne die Betrof­fe­nen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger auch nur not­dürf­tigst zu infor­mie­ren?


Gestöbert

Stolpersteine: Frankfurt-Niederrad, Kelsterbacher Straße 28

Ein his­to­risch wich­ti­ges Wohn­haus — aber die Finanz­in­ter­es­sen der pri­va­ten Eigen­tü­me­rin sind wich­ti­ger?

Manch­mal ist es ja hilf­reich für das Ver­ständ­nis eines his­to­ri­schen Bau­werks, wenn man ein wenig gräbt. Das kann mit einem Spa­ten im Kel­ler sein, heu­te kann man aber auch dig­i­ti­al gra­ben. Wir haben Letz­te­res getan.

Die Stadt Frankfurt

In der Stadt Frank­furt ste­hen zir­ka 400.000 Gebäu­de. Die Stadt führt das hier betrof­fe­ne Haus auf ihrer Web­site auf. Vie­len Gebäu­den wird die­se Ehre nicht zuteil. Was ist also beson­ders an der Kels­ter­ba­cher Stras­se 28? Mehr als nur das Haus, wie man nach­le­sen kann:

Die Stadt Frank­furt wid­met der ehe­ma­li­gen Bewoh­ne­rin Hele­na Pivo­var­cz­ik, einer rus­si­schen Zwangs­ar­bei­te­rin, einen Ein­trag auf den Sei­ten der Stadt. Ein „Stol­per­stein“ wur­de 2013 ver­legt. Ohne Zwei­fel ist die­ser Ort, ist die­ses Haus ein geschicht­lich wich­ti­ger in der Stadt.

Nun reicht offen­bar das Gewinn­stre­ben eines Unter­neh­mens aus, die­ses Gebäu­de ver­schwin­den zu las­sen.

Wikipedia

Frankfurt-Niederrad, Foto: Eva Kröcher (Lizenz: CC BY-SA 2.5)

Kels­ter­ba­cher Stra­ße mit Rest­be­stän­den his­to­ri­scher Bau­ten

Sucht man auf Wiki­pe­dia nach Nie­der­rad, so stösst man auf ein Foto mit dem Titel: „Kels­ter­ba­cher Stra­ße mit Rest­be­stän­den his­to­ri­scher Bau­ten“. Am lin­ken Rand ist das abriss­ge­fähr­de­te Wohn­haus zu sehen.

Rest­be­stän­de — das trifft es. Und nun plant man, die­se Rest­be­stän­de zuguns­ten eines Neu­baus wei­ter zu redu­zie­ren …

Details

aufgenommen bei IRHB

9. Juli 2020 (Meldung durch Liliana Heinrich)

aktueller Status

abgerissen

abgerissen

im Oktober 2020

Kontakt zu lokalen UnterstützerInnen

über die Petition (dort: Frage an den Initiator Mike Schwan)

Denkmalschutz

ja, Ensembleschutz

— Petition gestartet

26. Juni 2020

— Petition beendet

6. Oktober 2020

— Anzahl Unterschriften

835